Ein Forschungsvorhaben sorgt auch schon, bevor es Ergebnisse vorweist, für Aufsehen: INDECT, ein Projekt, das alle heute verfügbaren Überwachungstechnologien für den Einsatz in der "Homeland Security" bündeln soll, wird von Datenschützern und Medien zunehmend argwöhnisch betrachtet. Befürchtet wird als Ergebnis eine allumfassende Überwachungslösung.
Rund 15 Mio. EUR investiert die EU aus Mitteln des 7. Forschungsrahmenprogramm in das Projekt INDECT ("Intelligent information system supporting observation, searching and detection for security of citizens in urban environment" -
www.indect-project.eu), in dem verschiedene Hard- und Software-basierte Überwachungstechnologien zusammengeführt werden. Geplant ist in dem Mitte 2009 gestarteten Projekt unter anderem die Überwachung des Internets. Hier sollen mit automatisierten Suchabfragen etwa Videos per Wasserzeichen identifiziert werden, die "Gewalt" oder "abnormales Verhalten" zeigen. Auch sollen Suchroutinen entwickelt werden, die in der Lage sind, Chats zwischen Personen und den Kontext dieser Unterhaltung zu interpretieren. Die gewonnenen Daten sollen dann mit bereits vorhandenen Daten, etwa aus der Vorratsdatenspeicherung, aus Überwachungskameras, aus der Handyortung oder der Gesichtserkennung verknüpft werden. Die Wochenpublikation "Die Zeit" bewertet das so: "Das Ziel, so scheint es [ist]: In irgendeiner Weise auffällig gewordene Menschen in der Realität schnell entdecken und langfristig verfolgen zu können. Wer beispielsweise bei YouTube ein Drohvideo gepostet hat, der soll mithilfe von Überwachungskameras gesucht, via Suchmaschine identifiziert und mittels tragbarer Geräte von Polizisten verfolgt werden können."
Ein Element des Projekts (Work Package 2) ist deshalb auch der Einsatz von Drohnen zur Überwachung in urbanen Räumen.
* Forschungsziel ist ein "Mobiles urbanes Observationssystem", das vernetzte statische oder mobilen Sensoren und Kameras, GSM/GPS-Tracker, unbemannte Flugkörpern (UAV) und der zugehörigen ITK besteht. Gedacht wird dabei an eine Flotte von UAV, deren Aufgabe es sein soll, Live-Videostreams verschlüsselt und signiert an Bodenstationen zu ?enden, die diese Feeds dann über ein Backbone verteilen. Das ORF-online Magazin "Futurezone" betrachtet das Projekt daher als "eine verkleinerte Ausgabe der in der vernetzten Kriegsführung seit mehr als einem Jahrzehnt eingesetzten und ständig weiterentwickelten militärischen C4-Systeme, die via INDECT für den Einsatz im urbanen Raum angepasst werden sollen". Angestrebt werde ein Netzwerk, in dem Kameras, Sensoren, GSM/GPS-Tracker, Polizeilaptops und Bodenstationen untereinander sowie mit den Drohnen in der Luft kommunizieren.
Weitere Technologien, an denen INDECT zurzeit arbeitet, sind unter anderem unterschiedlichste biometrische Identifikationsmöglichkeiten:
- Fingerprint
- Analysen von Gesicht und Ohrmuschelform
- Analyse von Handumfängen, Venen
- Iris und Retina-Erkennung
- Sprach-Analyse
- Handschrift-Analyse
- Analyse von Bewegungs-Parametern von Einzelpersonen, Menschenmengen und Objekten
Dabei wird, so INDECT, in erster Linie an der Verbesserung der bestehenden Technologien gearbeitet, vor allem was deren Robustheit angehe.
"Die Zeit" fasste die möglichen Auswirkungen des Gesamtprojekts so zusammen: "Wird das Projekt umgesetzt, wäre es der Albtraum jeder Bürgerrechtsbewegung. Verbindet es doch alle einzelnen Überwachungsinstrumente, die bereits jetzt installiert sind wie Videokameras, Vorratsdatenspeicherung, Handyortung, Gesichtserkennung oder Telefonüberwachung zu einem einzigen Spähprogramm."
Anscheinend ging solche Kritik nicht spurlos an INDECT vorbei. Seit kurzem wird auf der Homepage deutlich hervorgehoben, dass es sich bei INDECT um ein Forschungsprojekt handle, dessen Ziel nicht die globale Überwachung, welcher Gesellschaft auch immer, sei.
cs
* Download unter
www.indect-project.eu/files/deliverables/public/INDECT_Deliverable_D8.1_v20091223.pdf/at_download/file
(aus WIK 4/2010)